Pädagogik

Pädagogik (Sek. II)

Das Fach

Logo_paeda_01Pädagogik in der Oberstufe
“Die Sachen klären und die Menschen stärken” (H. v. Hentig)

 

Für eine erste Information zu den Inhalten des Faches Pädagogik kann der folgende Link zu einem You Tube-Clip hilfreich sein:  http://www.youtube.com/watch?v=IYw2Li9Z7ko

1.  Stellung des Faches in unserer Oberstufe
Das Selbstverständnis des Schulfachs Pädagogik hat sich während seines relativ kurzen Bestandes im Fächer­kanon des allgemeinbildenden Schulwesens nach und nach verändert. Seit Einführung der reformierten Ober­stufe am Gymnasium in NRW (1972) wird dieses Fach dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld zu­geordnet. Pädagogik ist am Gymna­sium Lechenich als Grund- oder Leistungs­kurs wählbar.

2.  Besonderheiten des Faches
Pädagogik ist als neu einsetzendes Fach in der Jahr­gangsstufe 10 als Grundkurs wählbar. Somit eröffnen sich für Schülerinnen und Schüler nicht nur gleiche Startchancen, sondern auch gemäß der Zielsetzung der Oberstufe die Möglichkeiten einer Schwerpunktsetzung als Leistungskurs ab der Jahrgangsstufe 11 (1. oder 2. Abiturfach).
Pädagogik kann – wenn als Grundkurs belegt – als 3. bzw. 4. Abiturfach gewählt werden.
Das Fach zeichnet sich durch seinen interdisziplinären Charakter aus; so ergeben sich viele Berührungspunkte z. B. mit Psychologie, Geschichte, Philosophie, Sozialwissenschaften, Biologie oder auch Deutsch.

3.  Zielsetzungen des Faches
Es wäre wohl falsch zu glauben, nur zukünftige LehrerIn­nen / und ErzieherInnen hätten einen Grund, das Fach zu wählen. Fragen der Erziehung spielen in einer modernen Industriegesellschaft in allen Lebensbereichen (z. B. Familie, Beruf, Schule, Freizeit, Gruppe…) eine entscheiden­de Rolle.

Es geht nicht in erster Linie darum, durch besondere Lernsituationen Arrangements für die Identitätsfindung zu “konstruieren”, vielmehr geht es darum, Jugendlichen dazu zu verhelfen, sich selbst, ihre eigene Lebensge­schichte und ihre Lebenssituation in ihrem gesellschaft­lichen Kontext zu begreifen oder mit den Worten Adornos – “die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen” zu fördern. Auf diese Weise kann es gelingen, Erziehungs- und Sozialisationsprozesse “in das Bewusstsein zu überführen”. So verstanden setzt individuelle Autonomie theoretisch abgesicherte Kenntnis­se sowie eine selbstkritische Distanz voraus; eine gesell­schaftlich bedeutsame Fähigkeit unter den Bedingungen verdeckter Manipulation (z. B. in Medien) oder eines drohenden Werteverlustes z.B. im zwischenmenschlichen Umgang.

Die Schülerinnen und Schüler sollen durch Reflexion von Erfahrung, Anwenden erziehungswissenschaftlicher Er­kenntnisse und durch Auseinandersetzung mit Ergebnis­sen wissenschaftlicher Forschung und Fragestellungen dazu befähigt werden:

Erziehung als grundlegenden Bestandteil der Persön­lichkeitsentwicklung zu erkennen,
ihre persönliche Verantwortung in der konkreten “Ich / Du / Andere”- Beziehung zu verstehen,
begründet Sachurteile und Wertentscheidungen für pädagogisches Urteilen und Handeln in sozialer Ver­antwortung zu treffen.
Insgesamt leistet Pädagogik damit u.a. auch einen wichtigen Bei­trag zur Allgemeinbildung, denn das Erreichen dieser Ziele verlangt, dass die Schüler und Schülerinnen ein solides Grundwissen auf der Basis fachspezifischer Methoden systematisch erwerben.

4. Arbeitsweisen des Faches
Die Arbeitsweisen des Faches sind dabei durch Methodenvielfalt gekennzeichnet. Dies zeigt sich z. B. in der Analyse von statistischen Untersuchungen, Frage­bögen, Interviews, Fallbeispielen oder im Verstehen theoretischer Tex­te und begründeter Stellungnahme dazu. Das Einüben in die wissenschaftspropädeutische Verwendung von unterschiedlichen methodischen Vorgehensweisen und die vergleichende Reflexion der je spezifischen Leis­tungsfähigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Un­terrichtes. Auf diese Weise tragen z. B. Analysen von Fallstudien, Auswertung auch populärwissenschaftlicher (Zeitungs-) Artikel oder Dilemmadiskussionen sowohl dazu bei, Möglichkeiten und auch Grenzen der Gewinnung pädagogisch bedeutsamen Wissens unmit­telbar und angeleitet kennen zu lernen. In einer Facharbeit können die Lernenden Bedingungen für pädagogisches Han­deln selbstständig erarbeiten, direkt wahrnehmen sowie gelerntes Wissen anwen­den.

5. Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler
Die Schüler und Schülerinnen sollten ein deutliches In­teresse sowohl an Fragen der menschlichen Entwick­lung und Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen haben als auch die Bereitschaft zur Reflexion darüber, wie gesellschaftlich, historisch- politische Kontexte Erziehung und zwischen­menschliche Beziehungen beeinflussen. Das bedeutet auch eine umfassenden Auseinandersetzung mit Texten und Materialien in mündlicher wie schriftlicher Form.

Ferner sollten die Schüler die Bereitschaft haben:

  • private Vorstellungen und Bilder von Erziehung re­spektvoll zu hinterfragen,
  • pädagogische “Alltagsmeinungen” im Hinblick auf de­ren unausgesprochenen Voraussetzungen und Kon­sequenzen für persönliches Denken und Handeln zu prüfen,
  • die Spannung auszuhalten, dass der Pädagogikunter­richt keine Patentrezepte für individuelle persönliche Probleme anbieten kann,
  • sich mit unterschiedlichen Theorien und Deutungsan­sätzen sowohl der Wissenschaft als auch der Mitschü­ler in engagierter, aber gleichwohl rationaler Kommu­nikation auseinanderzusetzen.

6. Verwendungsmöglichkeiten der im Fach erworbenen Kompetenzen
Schulischer Unterricht kann außerunterrichtliche erziehe­rische Bemühungen nicht ersetzen. Erzieherisches und menschenwürdiges Engagement innerhalb und außerhalb der Schule setzt aber Kompetenzen voraus, die nicht unbedingt von selbst entstehen, sondern gelernt werden müssen. Der Unterricht in “Pädagogik” könnte und will wesentlich zum Aufbau dieser dringend benötig­ten Kompetenzen beitragen.

Unsere Gesellschaft ist neben einem hohen Maß an Sachkompetenz auf Kompetenzen angewiesen, die ein humanes Miteinander der Menschen ermöglichen. Be­nötigt werden vor allem die Fähigkeiten, ein in sich ge­festigtes, aber zugleich nach außen offenes Selbst zu ent­wickeln und zu bewahren (Selbstkompetenz) und dieses in von humanen Prinzipien bestimmte Interaktionen ein­zubringen (Sozialkompetenz).

Im Verlauf des Erwerbs dieser Kompetenzen sind insbe­sondere ein positives Selbstwertgefühl, eine ausreichen­de Interaktionsfähigkeit sowie ein ausgeprägtes Maß an Verantwortungsbereitschaft gegenüber sich selbst und der eigenen Entwicklung, gegenüber den Personen des engeren sozialen Umfeldes, gegenüber der Gesellschaft und gegenüber der “einen” Welt zu entwickeln (Humankompetenz).

Lehrteam

Fachlehrer (in alphabetischer Reihenfolge)

  • Renate Anton (Pädagogik + Deutsch  + Biologie + Kunst)
  • Bodo Marek (Pädagogik + Erdkunde + Sport)
  • Antje Mühlbauer (Pädagogik + Französisch + kath. Religion)
  • Kathryn Schulte (Pädagogik + Englisch)
  • Corinna Tietze (Pädagogik + Mathematik + Kunst)

Lehrpläne

Leistungsbewertung – Download
neuer Kernlehrplan – gültig ab Schuljahr 2014/15 – Download

Übersicht über Themenbereiche in den Kursen des Fa­ches “Erziehungswissenschaft”

10.1. Kursthema: Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse

– Das Individuum im Erziehungsprozess:

Begriffsklärungen: Erziehung, Sozialisation, Enkulturation, Pädagogik, Erziehungswissenschaft; Macht und Autorität als pädagogisches Phänomen und Problem (Autorität sein und Autorität haben); Individuum und Gruppe: Gruppenstrukturen, Kohäsion, Konformitätsdruck

Erziehungsverhalten und Legitimation von Erziehungspraktiken:

anthropologische Grundpositionen (Gehlen, Rousseau); Erziehungsstile, -mittel, -ziele im Zusammenhang mit anthropologischen Grundpositionen sowie dem Problem von Autorität

Erziehung in verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten:

Erziehungsvorstellungen der 60er Jahre als Reaktion auf den Nationalsozialismus: Kindheit und Jugend des Lagerkommandanten von Auschwitz, antiautoritäre Erziehung (z.B. Neill: Summerhill)

10.2. Kursthema: Lernen und Entwicklung

– Beobachtung, Beschreibung und Analyse von Lernvorgängen:

Vergleich verschiedener Lerntheorien: Pawlow (klassisches Konditionieren: emotionale Aversion eines Kindes gegenüber der Schule), Skinner (instrumentelles Konditionieren: Hintergründe des Verhaltens eines Kindes, das ständig den Unterricht stört), Watson (Wissenschaftstheorie des Behaviorismus), Bandura (soziales Lernen, Imitationslernen: Gewalt in der Schule und Vandalismus), Kognitivismus (Verarbeitung von Informationen, Problemlösungen z.B. bei störendem Verhalten, Auseinandersetzung mit dem Behaviorismus)

– Beeinflussung von Lernprozessen und Selbststeuerung des Lernens:

schulisches Lernen, Lehr- und Lerntechniken (zur Vermeidung von schulbedingten Konflikten), Denken und Gedächtnis; Strafe und Selbststeuerung; Manipulation und Behaviorismus

Die genauen Kursthemen in 11.1 – 12.2 richten sich nach den Vorgaben zum Zentralabitur!

11.1. Kursthema: Entwicklung und Soziali­sation in der Kindheit

Modelle der wissenschaftlichen Erfassung:

– Erklärungsmodelle für die psychosexuelle, psychosoziale und geistige Entwicklung im Kindesalter

– Sozialisation als Rollenlernen und Aufbau von Ich-Identität

– Elementarpädagogische Modelle: z. B. Montessori, Reggiopädagogik

11.2. Kursthema: Entwicklung, Sozialisation und Identität im Jugend- und Erwachsenenalter

– Pädagogisches Handeln und Modelle der Beschreibung und Entwicklung im Jugendalter: Pubertät und Ich – Identität

– Jugendkrisen, insbesondere im Bereich von Gewalt

– Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation

12.1. Kursthema: Normen und Ziele in der Erziehung

– Normen und Ziele in verschiedenen historischen, politischen und kulturellen Erziehungskontexten

– Institutionalisierung von Erziehung (Kindergarten und Schule)

– Pädagogische Theoriebildung: Kritik der Erziehung, Konzepte der Werteerziehung, Grundwerte als Erziehungsziele in pluralistischen Gesellschaften

12.2 Identität

– Entwicklung und Konstruktion von Identität: Macht – Autorität – Selbstverantwortung, erzieherische Aspekte der Identitätsbildung im Kontext persönlicher Entfaltung und sozialer Verantwortlichkeit

Leistungskonzept