Philosophie

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Das Fach

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Wer Philosophie treibt, der soll nicht überreden, sondern zeigen und zu denken geben.
Bertholt Brecht

Philosophieren als Grundelement des menschlichen Daseins
Ein Mensch, der Philosophie betreibt, ist auf der Suche nach der Wahrheit, wörtlich übersetzt ein ?Freund der Weisheit?. Vermutlich würden sich die meisten Menschen insofern als Philosophen sehen, denn nur die wenigsten würden von sich behaupten, dass sie der Weisheit feindlich gegenüber stehen. Auch ist wohl jeder Mensch dazu begabt zu philosophieren, wenn man darunter die Beschäftigung mit den Grundfragen des menschlichen Daseins versteht. Das heißt aber nicht, dass jeder Mensch automatisch und rein aus sich heraus philosophieren kann, und schon gar nicht, dass das Niveau, auf dem er oder sie philosophiert, sich nicht steigern ließe.

Einerseits haben die Philosophie-LehrerInnen es also leicht, denn alle Menschen bringen die Voraussetzungen für ihren Unterricht mit. Andererseits vergessen Menschen (und so auch Schülerinnen und Schüler) oft eine wichtige Tugend, auf die Sokrates hinweisen wollte, als er sagte: ?Ich weiß, dass ich nichts weiß?: Bescheidenheit, in diesem Zusammenhang bezogen auf unser (vermeintliches) Wissen.

Dies widerspricht auf den ersten Blick der ?Wissensgesellschaft? des 21. Jahrhunderts, in der jeden Tag mehrere tausend Aufsätze und Bücher veröffentlicht werden. Auf den zweiten Blick kann ein derartiges ?bescheidenes? Einschätzen unseres Wissens aber helfen, sich in dieser Gesellschaft zurecht zu finden, denn wenn die Philosophie die Grenzen unserer Erkenntnis hinterfragt, dann versetzt uns das in die Lage, neue Forschungsergebnisse kritisch zu beurteilen (beispielsweise die Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnik). Wir lernen, uns in der Wissensgesellschaft zurecht zu finden, statt von der unermesslichen Wissensflut hinweggerissen zu werden.

Vom Unterschied zwischen Meinen und Wissen
Wenn viele Schülerinnen und Schüler die von Sokrates angesprochene Bescheidenheit in Bezug auf philosophisches Wissen nicht teilen, dann liegt das meist daran, dass sie denken, Philosophieunterricht würde aus einer reinen Meinungsbekundung bestehen, in etwa nach dem kölschen ?et kann su sin, et kann ävver auch anders sin?. Wer das annimmt, den müssen wir leider enttäuschen.

So haben beispielsweise die PhilosophInnen im Laufe der Zeit erkannt, dass vieles ?nit sin kann?. Sie haben beispielsweise den sogenannten naturalistischen Fehlschluss als eben solchen entlarvt und verdeutlicht, dass aus dem gegebenen Sein von etwas nicht dessen Sollen geschlossen werden kann: Das reine Vorhandensein unterschiedlicher Meinungen bedeutet nicht, dass die Meinungen unterschiedlich sein sollen. Vielmehr bedarf es der Macht des besseren Arguments, um eine Meinung zu verteidigen, sowie der Bereitschaft, sich dieser Macht zu fügen und seine Meinung zu revidieren. Tatsächlich gibt es meist nicht die Antwort auf die menschlichen Grundfragen (sonst wären sie keine solchen mehr), aber es gibt wenig, gut und besser begründete Antworten. Und auch manche eindeutig falsche Antworten. In diesem Sinne ist die Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung mit anderen ? teilweise sogar fremdartigen ? Meinungen und die Freude an der Lektüre auch sehr anspruchsvoller Texte eine Grundvoraussetzung für das Fach Philosophie.

Personale Ebene ? Gesellschaftliche Ebene ? Ideengeschichtliche Ebene
Ganz falsch ist es allerdings nicht, dass es im Philosophieunterricht auch um die (begründete) eigene Meinung, die eigenen Vorstellungen von Normen und Werten geht. Insofern unterscheidet sich das Fach Philosophie fundamental von den meisten anderen Fächern, denn eine reine Wissensvermittlung kann nicht sein Ziel sein. Die verschiedenen Formeln des kategorischen Imperativs auswendig zu können, ist mehr oder weniger sinnlos, solange man sie nicht verstanden hat und vielleicht sogar das eigene Handeln daran orientiert. Ein aktives, selbständiges Philosophieren kann nicht ohne Einfluss auf die eigene Haltung und somit das eigene Verhalten bleiben.

Allerdings spielt die personale Ebene im Laufe der Schulzeit eine immer geringere Rolle: Während sie in der Praktischen Philosophie (Klassen 5 bis 9) den größten Raum einnimmt und die gesellschaftliche sowie die ideengeschichtliche Ebene eher im Hintergrund stehen, wandelt sich dieses Verhältnis im Philosophie-Unterricht der Oberstufe.

Das bedeutet, dass z.B. bei der Frage ?Was ist Gerechtigkeit?? in der Sekundarstufe I eine Umfrage in der Klasse bei der Beantwortung helfen könnte, woraufhin man sich mit gesellschaftlichen Vorstellungen, also z.B. den Ergebnissen eines Meinungsforschungsinstituts, auseinandersetzt, und zum Schluss ein paar knappe Einschätzungen unterschiedlicher PhilosophInnen kennen lernt. In der Sekundarstufe II hingegen würden verschiedene Positionen differenziert analysiert, miteinander verglichen und kritisiert, d.h. vor dem Hintergrund der eigenen Vorstellungen beurteilt.

Es findet folglich im Laufe der Zeit eine Verschiebung von persönlich-konkreten Vorstellungen zu menschheitlich-abstrakten Ideen statt.

Inhalte des Philosophie-Unterrrichts
Immanuel Kant hat die Gegenstände der Philosophie nach 4 Fragen geordnet:

1. Was kann ich wissen?    Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Logik
2. Was soll ich tun?            Ethik
3. Was darf ich hoffen?     Metaphysik, Ontologie
4. Was ist der Mensch?     Philosophische Anthropologie, Kulturphilosophie, Ästhetik

Diese Inhalte werden ? selbstverständlich auf unterschiedlichem Niveau ? sowohl durch die Praktische Philosophie als auch durch den Philosophie-Unterricht in der Oberstufe abgedeckt.

Die Praktische Philosophie (Klasse 5 bis 9) gliedert die Inhalte in sogenannte Fragekreise. Ausgehend von einer Problemstellung geht es im Unterricht um eine der folgenden sieben Fragen:

Die Frage nach dem Selbst
Die Frage nach dem Anderen
Die Frage nach dem guten Handeln
Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft
Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien
Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn
Die Frage nach Natur und Technik

Im Laufe der Sek. I werden die einzelnen Fragekreise mehrmals behandelt, wobei einerseits das Anspruchsniveau wächst und die Differenziertheit der Betrachtung zunimmt, andererseits inhaltliche Alternativen möglich sind. So mag sich beispielsweise die ?Frage nach dem Selbst? in der Klasse 5 mit dem Thema ?Ich und mein Leben? befassen, während in der Klasse 9 ?Freiheit und Unfreiheit? behandelt wird. Generell wäre aber auch eine erneute Thematisierung von ?Ich und mein Leben? möglich, wobei z.B. weitere Aspekte betrachtet werden, also z.B. die Orientierung im Berufsleben.
Genauere Informationen zu den Fachinhalten und Kompetenzstufen finden sich im Entwurf für einen Kernlehrplan im Fach Praktische Philosophie, den man unter www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/upload/entwurf-klp-pp-g8-070831.pdf findet.

Für den Unterricht in der Oberstufe sind folgende Rahmenthemen vorgesehen:

11.1       Einführung in die Philosophie
11.2       Probleme der Bestimmung des Menschen
12.1       Probleme des menschlichen Handelns
12.2       Probleme der Politik, des Rechts, des Staates, der Gesellschaft oder
Probleme der Geschichte
13.1       Probleme des Erkennens und Denkens, der Wissenschaft, der Sprache, der
13.2       Kunst, der Religion, der Naturdeutung oder der Metaphysik

Bei Bedarf können die Richtlinien und Lehrpläne für das Fach Philosophie in der Schule eingesehen oder unter www.schul-welt.de/artikel.asp für 9 Euro bestellt werden (bei den G-8-Jahrgängen jeweils ein Jahr früher.)

Aufgabe und Ziel der Philosophie
Um zum Anfang zurück zu kommen: Die Suche nach der Weisheit bleibt eine Aufgabe aller Menschen, auch wenn sie nicht zu eindeutigen Antworten führt, denn:

Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.
Thedor W. Adorno

 

Lehrteam

Britta Härtel (Deutsch + Philosophie)

Hanno Meyer Barner (Deutsch + Philosophie)

Michaela Wolter (Französisch + Sport + prakt. Philosophie)

Lehrpläne

Leistungskonzept

Leistungsbewertungskonzept

“Praktische Philosophie trägt zum Bildungsauftrag der Schule bei, der die persönliche, soziale und politische Bildung der Schülerinnen und Schüler umfasst. Das Fach fördert die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit zu sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Orientierung an Grundwerten, zur kulturellen Mitgestaltung sowie zu verantwortlicher Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt.”

(Quelle: Kernlehrplan Praktische Philosophie NRW)

Das Fach Praktische Philosophie wird in der Sekundarstufe I für alle nicht am Religionsunterricht teilnehmenden SchülerInnen angeboten. Es hat die Leitwissenschaft Philosophie und die Bezugswissenschaften Theologie, Soziologie und Psychologie.

Wir setzen uns mit den Sinn- und Wertfragen auseinander und schulen hierbei das Empathievermögen der SchülerInnen, sodass sie zu einem Wert- und Selbstbewusstsein gelangen, welches verantwortliches Handeln begründet. Im Religionsunterricht geschieht diese Auseinandersetzung auf der Grundlage eines Bekenntnisses. In der Praktischen Philosophie auf der Grundlage einer argumentativ-diskursiven Reflexion im Sinne einer sittlich-moralischen Orientierung ohne Bindung an eine bestimmte Religion.

Im Mittelpunkt der unterrichtlichen Gestaltung stehen das begründete Argument und das begründete Argumentieren. Hierbei sind drei unterschiedliche didaktische Perspektiven zu unterscheiden:

Die personale (eigene Erfahrungen), die gesellschaftliche (allgemeine Erfahrungen und Anschauungen) und die Ideen- Perspektive (Bezug zur Philosophie). Diese drei Perspektiven werden bezogen auf die Fragenkreise, die den inhaltlichen Unterrichtsstoff darlegen.

“Ziel der unterrichtlichen Bemühungen ist es dabei, von einem Zustand noch wenigentwickelter kognitiver Strukturen – der z.B. durch die Tendenz zu Übergeneralisierungen, die Neigung zu stereotypen Urteilen sowie das Fehlen von begrifflichen Abgrenzungen und Unterscheidungen gekennzeichnet ist – hin zu einer höheren Strukturiertheit zu gelangen, die sich u.a. durch eine Vielfalt abgewogener Einstellungs- und

Beurteilungskategorien, begriffliche Differenzierungen, alternative Betrachtungsmöglichkeiten und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel auszeichnet.”

(Quelle: Kernlehrplan Praktische Philosophie NRW)

Philisophie

Ein Einblick in den Praktischen Philosophieunterricht

(hier: Wer verpackt ein Ei sicher? – Übung zum Rollen- und Gruppenverhalten in einem 7. Jahrgang)

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