Was erwartet einen eigentlich in einem Hospiz?
Mit dieser Frage im Kopf besuchte unser Philosophie-Kurs der 9. Klasse im Rahmen des Themas „Tod und Sterben“ das Hospiz „Erftaue“ in Liblar. Wir waren neugierig, offen und gleichzeitig etwas aufgeregt. Doch schon nach Minuten merkten wir, dass unsere Vorstellungen nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten: Statt einer traurigen Atmosphäre erwarteten uns freundliche Menschen, viel Herzlichkeit, fröhliche Gespräche und ein Ort, an dem die Lebensqualität und die Wünsche der Gäste im Mittelpunkt stehen.
Besonders überraschend war für uns, wie sehr auf die individuellen Wünsche der Gäste eingegangen wird. Im Hospiz leben erwachsene Menschen ab 18 Jahren, und jeder Gast soll die verbleibende Zeit nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten können. Uns wurde erklärt, dass dort vieles möglich gemacht wird, was den Gästen Freude bereitet. So können sie zum Beispiel auch nachts lange Computerspiele spielen, Gitarre spielen oder anderen Hobbys nachgehen, wenn sie das möchten. Sogar Urlaubsreisen für einige Tage sind möglich, sofern der Gesundheitszustand es zulässt und die notwendige Betreuung organisiert werden kann. Dieses Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität hatten viele von uns vorher nicht erwartet und fanden es sehr beeindruckend.
Anschließend führte man uns durch das Hospiz und stellte uns einige Gäste vor. Danach verbrachten wir gemeinsam Zeit mit ihnen. In kleinen Gruppen backten wir Waffeln, lachten viel und kamen miteinander ins Gespräch. Außerdem spielten wir verschiedene Spiele, darunter „Hello Fun“ und „Mensch ärgere dich nicht“. Die gemeinsame Zeit war sehr angenehm und sorgte für viele schöne Momente. Es war bemerkenswert zu sehen, wie viel Freude, Humor und Lebensmut trotz schwieriger Lebenssituationen vorhanden sein können.
Insgesamt war der Tag im Hospiz eine besondere und sehr lehrreiche Erfahrung. Wir konnten viele neue Eindrücke sammeln und haben gelernt, dass ein Hospiz nicht nur ein Ort des Abschieds ist, sondern vor allem ein Ort der Menschlichkeit, Fürsorge und Lebensqualität. Der Besuch hat uns gezeigt, wie wichtig Zeit, Respekt und gegenseitige Unterstützung sind. Außerdem haben wir verstanden, dass das Leben wertvoll ist und dass jeder Mensch das Recht haben sollte, seine Zeit nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Diese Erkenntnisse werden wir sicherlich noch lange mitnehmen und vielleicht auch bewusster darüber nachdenken, wie wir unser eigenes Leben gestalten und wie wir anderen Menschen begegnen.






